Nona Gabrielyan ist eine vielseitige Künstlerin, deren Schaffen Keramik, kleinformatige Bronzeskulpturen, Malerei, Grafik sowie literarische Werke – Prosa und Lyrik – umfasst. Ihre Kunst ist eine Brücke zwischen Tradition und Experiment, ein Dialog zwischen Form und Emotion, verkörpert in Plastizität, Linie, Farbe und Gestalt.
Ihr Leben ist – wie ihr Werk – in drei Hauptphasen+ gegliedert, von denen jede einen unauslöschlichen Eindruck in ihrer künstlerischen Sprache hinterlassen hat. Von der kulturellen Polyphonie Tbilisis über das tiefe Eintauchen in die armenische Schule der monumentalen Kunst, von ihren schöpferischen Erkundungen in Jerewan bis hin zur internationalen Anerkennung in Europa – dieser Weg hat eine Meisterin geformt, deren Kunst nationale Grenzen überschreitet.
Nona Gabrielyan ist eine Künstlerin, die keinen festen Kanons oder Stilen folgt. Sie schafft Werke, in denen Geschichte und Gegenwart, Tradition und Innovation, Osten und Westen in einem gemeinsamen künstlerischen Rhythmus vereint sind. Sie bleibt eine Meisterin, die keine Angst davor hat, das Neue zu suchen, die Wandelbarkeit der Zeit zu begreifen und ihre Wahrnehmung durch Formen, Farben und Linien auszudrücken. Ihre Kunst ist ein Raum jenseits von Grenzen – wo sich Kultur und Emotion, Erinnerung und Zukunft, der Pulsschlag des Lebens und die Stille der Ewigkeit begegnen.
Der Künstler ist ein Zeuge, der vom Zeitgeist Zeugnis ablegt. Jeder nach Maßgabe seiner Begabung. Kunst ist das Kabel, durch das statt Elektrizität Gefühl fließt, balancierend auf dem Traum von Freiheit und dem Wunsch, entdeckt zu werden! Und welches Glück für den Künstler, wenn er nicht zufällig, sondern von einem verstehenden und bedürftigen Individuum entdeckt wird, und welch große Tragödie, wenn seine Kreativität unbeachtet bleibt. Wenn man bedenkt, dass das Leben selbst ein langsames Vorwärtsbewegen auf das Ende zu ist, dann ist die Kunst das Segel, welches das Schiff des Lebens bewegt.
Die Menschheit hat einen weiten Weg zurückgelegt – von steinernen Werkzeugen bis in die Weiten des Alls.
Wissenschaft und Technik haben dazu beigetragen, dass wir als Menschheit auf einem hohen materiellen Entwicklungstand gelangt sind. Doch der Schaffung der materiellen Welt ging der Impuls der Kreativität voraus. Sie weckte die Vorstellungskraft. Kreativität
liegt allem zugrunde und treibt uns weiter an.
Im Gegensatz zur Wissenschaft, die Wissen ansammelt und es systematisiert, wird Kreativität durch das innere Bedürfnis des Menschen angetrieben, seinen emotionalen Zustand zu teilen, eine Erinnerung an sich selbst und an die Zeit zu hinterlassen. Gerade deshalb besitzen wir heute unschätzbare historische Werte und zahllose Artefakte, die über die ganze Welt verstreut sind und uns daran erinnern: Im Kern jeder großen Schöpfung liegt der durchtragende Impuls der Kreativität.
Die Bildung der Gesellschaft ist ohne die Entwicklung des menschlichen Denkens unmöglich. Der Mensch, als Künstler, der sich seiner Abhängigkeit von der ihn umgebenden Umwelt bewusst ist, sucht Wege zur Selbstverwirklichung hauptsächlich durch die Schaffung spiritueller Werte, die durch das Wecken der Vorstellungskraft anderer eine neue Realität erzeugen. Die Werkzeuge dafür sind Wort, Klang, Farbe, Form und sogar der Raum selbst. All dies entsteht dann aus der Leere, aus dem Nichts, aus dem Nirgendwo, als Frucht reiner Vorstellungskraft. So entsteht die spirituelle Welt parallel zur materiellen, die zum Anstoß für den Schaffensprozess wird.
...”Am Anfang war das Wort...“ Das Wort ist der erste Schritt zur Schaffung der Welt. Durch das Wort entstehen Ideen, die die Welt mit Sinn erfüllen. So geht die Menschheit ihren Weg – von den ersten Zeichen und Symbolen bis zu den komplexesten kulturellen Systemen, vereint durch einen zentralen Impuls: den Wunsch zu kreieren.
Meine Überlegungen zur Kreativität sind ein Versuch, ihre tiefgreifende Natur, ihren Platz und ihre Bedeutung im Leben jedes Menschen zu verstehen. Kreativität ist ein Geschenk, eine Chance, eine Möglichkeit, eine Spur oder einfach eine Erinnerung zu hinterlassen. Jeder von uns ist frei, zu wählen, ob er sie nutzt oder nicht.